Die starken Männer von Heilbronn

 

Von Steffen Heizereder

 

Heilbronn - "Gemütlich durchgehen", ruft ein Zuschauer. Der hat leicht reden. Oliver Erdmann hilft es nur wenig. Verbissen blickt der Pfedelbacher drein. Schritt für Schritt kämpft er sich vorwärts - langsam und auf wackligen Beinen.

Die Last von 350 Kilogramm lastet auf seinen Schultern. Sie ist zu schwer. Die 30 Meter lange Strecke zu lang für den Pfedelbacher. Besser läuft es für Daniel Wildt aus Öhringen. Fast mühelos bewältigt der Kraftprotz die Aufgabe.

Erdmann und Wildt sind zwei der zwölf Atleten, die am Samstag bei den 6. Süddeutschen Strongman Meisterschaften teilgenommen haben. Strongman ist eine Kraftsportart, bei der die Sportler fünf verschiedene Disziplinen absolvieren müssen. Die Veranstaltung fand auf dem Parkplatz des Fitnesstudios Onex im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe statt.

Harte Aufgaben

Auf die starken Männer warteten harte Aufgaben. Los ging´s mit Lkw-Ziehen. Ein neun Tonnen schwerer Lastkraftwagen musste dabei über eine 30 Meter weite Strecke gezogen werden. Auch die anderen Disziplinen standen dem in nichts nach.

Ein 75 Kilogramm schwere Kurzhantel galt es zu stemmen, eine 300 Kilogramm schwere Achse mit acht Lkw-Reifen musste im Kreuzheben überwunden werden und fünf Gegenstände, die allesammt 90 Kilogramm und schwerer waren, mussten über den Kopf gestemmt werden. Bei der letzten Prüfung des Tages, dem Yoke Race muss der 350 Kilogramm schwere Stahlrahmen auf den Schultern über die Strecke bewegt werden.

Die Favoritenrolle bei dem Wettkampf hat Daniel Wildt inne. Der 29-Jährige lebt in Öhringen und ist Trainingspartner von Erdmann, der die Veranstaltung ausrichtet. Seit acht Jahren betreibt Wildt den Sport bereits - und das erfolgreich. Im vergangene Jahr hat er alle drei Qualifikationsturniere zur Deutschen Meisterschaft, die sogenannten Deutschland-Cups, gewonnen. 2011 wurde er bei der Deutschen Meisterschaft zweiter.

Schrecksekunde

Zu einer Schrecksekunde kam es während der zweiten Disziplin des Wettkampfs. Beim Stemmen der 75 Kilo-Kurzhantel gerät Sven Reichbodt aus Memmingen in Rücklage. Er versucht das enorme Gewicht, das er nur in seiner rechten Hand trägt, dennoch zu halten. Es ist zu schwer. Reichbodt fällt zu Boden, die Hantel auf ihn drauf.

 Bildergalerie: Strongman-Meisterschaft in Heilbronn | 25.05
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Betretene Stille. Niemand lacht, keiner unterhält sich. Die Sportler eilen zu Reichbodt, doch der steht schon wieder. Den Wettkampf kann er fortsetzen. Um die vorderen Plätze konkurriert er nicht mehr. "Jedes Mal, wenn ich in die Hocke gehe, schmerzt es."

Besser läuft es für Daniel Wildt. Er macht einen guten Wettkampf und ist vorne mit dabei. Lediglich von seinem Abschneiden beim Kreuzheben sei er enttäuscht gewesen, sagt der Öhringer.

Harte Arbeit

Der 29-Jährige weiß, was einen guten Strongman ausmacht: harte Arbeit. Im Winter geht es bereits los. Grundlagen- und Ausdauertraining und "ganz viel Essen", sagt Wildt. Wochen und Monate verbringen die Sportler in den Fitnessstudios, um sich die nötige Kraft und härte für die kurze Wettkampfsaison im Sommer anzutrainieren.

Die Motivation fällt nicht immer leicht. "Wenn es dieses Jahr nicht mit dem Deutschen Meistertitel klappt, dann höre ich vielleicht auf", sagt Wildt. Neun Jahre Wettkampfsport zehren.

Die Stimmung unter den Athleten ist dennoch gut. Vor allem die Trainingskameraden werden immer wieder lautstark angefeuert. "Komm, einen schaffst du noch", hört man immer wieder. Daniel Wildt aus Öhringen hat es am Ende tatsächlich geschafft. Er hat den Wettkampf gewonnen und damit die direkte Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften, seinem großen Ziel, erreicht.